Enttäuschung in der Führung überwinden: Warum dein Glaube an Menschen der entscheidende Unterschied ist

Du kennst das Gefühl.

Du hast an jemanden geglaubt. Du hast Zeit investiert, Vertrauen aufgebaut, Verantwortung übertragen. Und dann ist die Person gegangen. Oder hat enttäuscht. Oder beides.

Und irgendwann, nach dem dritten oder fünften oder zehnten Mal, fängt etwas in dir an zu kippen. Nicht dramatisch. Nicht von heute auf morgen. Sondern langsam, still, fast unbemerkt.

Genau das ist das Thema dieses Beitrags.

Wie Enttäuschung zu gefährlichen Glaubenssätzen wird

Ich war kürzlich im Gespräch mit einem Geschäftsführer, der seit Jahrzehnten im gleichen Unternehmen ist. Ein erfahrener Mann, der vieles aufgebaut hat. Und der im Laufe der Zeit viele Mitarbeiter verloren hat, an die er wirklich geglaubt hat.

Das Ergebnis? Ein Glaubenssatz, der sich tief festgesetzt hat: Es gibt keine verlässlichen Mitarbeiter mehr. Die kommen nur noch wegen dem Geld oder dem nächsten Karriereschritt.

Und so ein bisschen war sein Fazit: Mitarbeiter sind notwendiges Übel für den operativen Betrieb.

Das ist zugespitzt formuliert. Aber es ist erschreckend nah an einer Realität, die ich immer wieder beobachte. Und das Gefährliche daran ist nicht der Satz selbst, sondern was er im Führungsalltag auslöst.

Beide Seiten tragen diese Last

Das Gleiche passiert übrigens auf der anderen Seite.

Wenn ich mit Kandidaten spreche, die sich für Führungspositionen interessieren, höre ich ähnliches. Öfter gewechselt. Öfter enttäuscht worden. Immer wieder gedacht: Diesmal wird es besser. Und dann doch wieder diese Ernüchterung.

Das Ergebnis auf beiden Seiten ist das Gleiche: Man verliert die Zuversicht. Man hört auf zu glauben, dass es da draußen wirklich gute Menschen gibt. Gute Führungskräfte. Gute Mitarbeiter. Gute Kandidaten.

Und genau das ist der Punkt, an dem es gefährlich wird.

Ohne Hoffnung keine gute Führung

Wenn du nicht mehr glaubst, dass es hervorragende Menschen gibt, hörst du auf, aktiv nach ihnen zu suchen. Du verwaltest nur noch, was du hast. Du gehst nicht mehr in Angriff.

Ich selbst hatte eine Phase, in der ich mich gefragt habe: Gibt es eigentlich noch Geschäftsführer, die wirklich für ihre Sache brennen? Kandidaten, die nicht nur an ihre eigene Karriere denken, sondern die wirklich etwas aufbauen wollen?

Und zum Glück bin ich jemand, der immer wieder solche Menschen kennenlernt. Nicht viele. Aber sie sind da. Und genau diese Menschen geben mir die Energie für den nächsten Prozess, den nächsten Call, den nächsten Versuch.

Die meisten Führungskräfte sagen, dass vielleicht 10 % ihrer Belegschaft wirklich brennen. Wenn man Kandidaten fragt, wie viele wirklich hervorragende CEOs sie kennen, landet man schnell bei einer Quote von 1 zu 10 oder schlechter. Ernüchternd. Aber unterm Strich: Diese Menschen existieren.

Was du jetzt tun kannst

Stell dir eine ehrliche Frage: Schau dir dein Team an. Wie viele davon würdest du heute nochmal einstellen? Wie viele davon sind wirklich High Performer?

Das ist keine Frage, um niederzumachen. Es ist eine Frage, um deinen Status quo zu hinterfragen. Denn wenn du nicht mehr an dein Team glaubst, führst du nicht mehr. Du verwaltest nur noch.

Und das ist gefährlich. Für dich. Für das Unternehmen. Und besonders für die Menschen in deinem Team, die tatsächlich noch brennen und die eine Führungskraft verdienen, die ihnen das auch zutraut.

Hier sind drei Dinge, die helfen können, festgefahrene Glaubenssätze aufzubrechen:

  1. Benenne den Glaubenssatz konkret. Nicht "Mitarbeiter sind schwierig", sondern: "Ich glaube nicht mehr, dass ich verlässliche Menschen finden kann." Das macht den Unterschied sichtbar.
  2. Suche aktiv nach Gegenbeispielen. Wann hast du zuletzt jemanden kennengelernt, der dich positiv überrascht hat? Halte das fest.
  3. Trenn die Erfahrung von der Erwartung. Was in der Vergangenheit passiert ist, muss nicht bestimmen, wen du als nächstes einstellst oder wie du mit dem nächsten Kandidaten umgehst.

Zuversicht ist keine Naivität

Es geht nicht darum, alles durch eine rosarote Brille zu sehen. Es geht darum, die Blockade zu erkennen, die sich aufgebaut hat, und bewusst zu entscheiden: Ich suche weiter. Ich glaube weiter. Ich führe weiter.

Denn die Zuversicht, dass es hervorragende Menschen gibt, ist keine Schwäche. Sie ist die Grundlage guter Führung.

Die besten Menschen da draußen wollen zu jemandem, der noch brennt. Jemanden, der ihnen etwas zutraut. Jemanden, der selbst noch glaubt, dass es sich lohnt.

Das bist du. Oder das kannst du wieder werden.

Enttäuschungen in der Führung gehören dazu. Sie sind real, sie schmerzen, und sie hinterlassen Spuren.

Aber sie müssen nicht das letzte Wort haben.

Wenn du gerade merkst, dass Enttäuschung deinen Blick auf dein Team oder den nächsten Karriereschritt prägt: Verurteile dieses Gefühl nicht. Es ist menschlich. Führungsarbeit bedeutet nicht, nichts mehr zu fühlen. Sie bedeutet, sich aus diesem Gefühl zu befreien und wieder nach vorn zu gehen.

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