Die Empfehlungsnetzwerk-Grenze: Warum es auf VP-Ebene versagt

Es gibt einen Moment, den fast jeder Scale-up-CEO kennt: Die erste VP-Position steht an, das persönliche Netzwerk wird aktiviert, und innerhalb weniger Wochen landet ein Name auf dem Tisch. Jemand, den ein Investor empfiehlt. Jemand, den ein befreundeter Gründer lobt. Der Prozess fühlt sich vertraut an, effizient sogar. Und genau das ist das Problem.

Auf der VP-Ebene versagt das Empfehlungsnetzwerk strukturell, still und oft unbemerkt. Die Konsequenzen zeigen sich erst Monate später: in stagnierendem Wachstum, in Teamkonflikten, in verpassten Marktchancen. Wer im GreenTech Recruiting auf Senior Recruiting setzt und dabei auf dieselben Methoden zurückgreift wie beim Einstellen der ersten zehn Mitarbeitenden, riskiert mehr als eine Fehlbesetzung. Er riskiert die Skalierung selbst.

Wie Scale-ups die VP-Suche unterschätzen

Die meisten Gründer unterschätzen den qualitativen Sprung, den eine VP-Position gegenüber früheren Einstellungen darstellt. In der Frühphase eines Unternehmens funktioniert Hiring über Vertrauen und Nähe: Man kennt die Person, man hat sie in Aktion erlebt, man weiß, wie sie denkt. Dieses Modell ist für die ersten zehn, zwanzig Mitarbeitenden nicht nur akzeptabel, es ist sogar vorteilhaft.

Doch ein VP ist kein erfahrener Mitarbeitender mit mehr Verantwortung. Ein VP ist ein strategischer Multiplikator. Er oder sie trifft Entscheidungen, die Dutzende von Mitarbeitenden betreffen, formt die Kultur eines gesamten Bereichs und repräsentiert das Unternehmen gegenüber Investoren, Partnern und Top-Kandidaten. Die Anforderungen sind fundamental anders, und der Suchprozess muss es ebenfalls sein.

Der Trugschluss der Vertrautheit

Viele Scale-up-Führungskräfte verwechseln Vertrautheit mit Eignung. Eine Empfehlung aus dem Netzwerk signalisiert soziale Akzeptanz, nicht zwingend strategische Passung. Wer einen VP Sales sucht, der ein Unternehmen von zwei auf zwanzig Millionen Euro Umsatz skalieren soll, braucht jemanden mit genau diesem Erfahrungsprofil, nicht jemanden, den ein Investor aus einer anderen Branche gut findet. Wie ein solcher Prozess in der Praxis aussieht, zeigen unsere Erfolgsgeschichten aus dem GreenTech-Umfeld.

Im GreenTech-Umfeld verschärft sich diese Problematik zusätzlich. Die Branche wächst schneller als der verfügbare Talentpool. Führungskräfte mit echter Erfahrung in erneuerbaren Energien, Wasserstofftechnologie oder nachhaltiger Infrastruktur sind rar. Wer nur im eigenen Umfeld sucht, sieht maximal zehn Prozent des relevanten Marktes.

Warum Netzwerke auf C-1-Ebene strukturell versagen

Das Empfehlungsnetzwerk hat eine fundamentale strukturelle Schwäche: Es reproduziert, was bereits existiert. Es zeigt keine Kandidaten, die aktiv suchen, sondern solche, die sichtbar sind. Und auf der VP-Ebene, der sogenannten C-1-Ebene direkt unterhalb der C-Suite, sind die besten Kandidaten fast nie aktiv auf dem Markt.

Die stärksten Führungskräfte in einer Organisation sind in der Regel gebunden, engagiert und nicht auf LinkedIn aktiv auf Jobsuche. Sie werden nicht durch eine Stellenanzeige erreicht. Sie werden durch einen gezielten, vertraulichen Ansatz angesprochen, der ihre aktuelle Situation versteht und ein überzeugendes Bild der neuen Möglichkeit zeichnet. Genau das kann ein Empfehlungsnetzwerk nicht leisten.

Die Homogenitätsfalle

Netzwerke tendieren zur Homogenität. Wer in einer bestimmten Investorenszene vernetzt ist, empfiehlt Kandidaten aus derselben Szene. Das führt zu einer stillen Monokultur auf Führungsebene, die Innovation hemmt und blinde Flecken verstärkt. Für ein Scale-up in der GreenTech-Branche, das Diversität in Denkweise und Erfahrung braucht, ist das eine strukturelle Bremse.

Hinzu kommt die Frage der Reichweite. Ein gut vernetzter CEO kennt vielleicht fünfzig bis hundert relevante Führungskräfte persönlich. Ein spezialisiertes Executive Search-Team hat Zugang zu Hunderten von vorqualifizierten Kandidaten, pflegt aktiv Beziehungen zu passiven Talenten und kennt die Motivationslagen einzelner Kandidaten aus direkten Gesprächen. Das ist kein gradueller Unterschied, das ist ein kategorialer.

Die versteckten Kosten einer fehlbesetzten VP-Position

Eine Fehlbesetzung auf VP-Ebene ist teuer. Nicht nur in Euro, sondern in Energie, Zeit und strategischem Momentum. Die direkten Kosten, also Gehalt, Recruiting-Aufwand und Onboarding, sind dabei noch das Geringste.

Die eigentlichen Kosten entstehen durch das, was nicht passiert: Wachstum, das ausbleibt. Entscheidungen, die verzögert werden. Mitarbeitende, die das Unternehmen verlassen, weil die Führung nicht stimmt. Investoren, die Vertrauen verlieren. In einem schnell wachsenden Markt wie GreenTech, wo das Zeitfenster für Marktführerschaft eng ist, kann ein fehlbesetzter VP die gesamte Skalierungsstrategie zurückwerfen.

Der Dominoeffekt nach unten

Ein VP führt typischerweise ein Team von zehn bis dreißig Personen. Eine schwache Führungspersönlichkeit auf dieser Ebene demotiviert nicht nur das direkte Team, sie sendet auch ein Signal an die gesamte Organisation: dass mittelmäßige Leistung toleriert wird. Dieses Signal ist schwer rückgängig zu machen.

Erfahrungen aus dem GreenTech-Umfeld zeigen, dass Unternehmen, die eine VP-Fehlbesetzung korrigieren mussten, im Schnitt sechs bis zwölf Monate verlieren, bevor der Bereich wieder auf Kurs ist. In einer Branche, die sich im Jahrestakt verändert, ist das ein enormer Wettbewerbsnachteil.

Was VP-Kandidaten wirklich bewegt

Wer die besten Führungskräfte gewinnen will, muss verstehen, was sie antreibt. Und das ist selten das Gehalt allein. Auf der VP-Ebene sind die materiellen Grundbedürfnisse meist erfüllt. Was diese Kandidaten bewegt, sind Mission, Gestaltungsspielraum und Wachstumspotenzial.

Im GreenTech-Kontext kommt ein weiterer Faktor hinzu: Sinnhaftigkeit. Viele Top-Führungskräfte in diesem Sektor haben bewusst eine Karriere in der Nachhaltigkeitswirtschaft gewählt. Sie wollen wissen, ob das Unternehmen, das sie anspricht, wirklich Impact erzeugt oder ob Nachhaltigkeit nur ein Marketing-Label ist. Wer diesen Unterschied nicht kommunizieren kann, verliert die besten Kandidaten im ersten Gespräch.

Vertraulichkeit als Voraussetzung

Ein weiterer entscheidender Faktor: Diskretion. Die meisten starken VP-Kandidaten stehen in einem aktiven Arbeitsverhältnis und wollen nicht, dass ihre Gesprächsbereitschaft öffentlich wird. Ein netzwerkbasierter Prozess, bei dem Empfehlungen durch mehrere Hände gehen, bietet diese Vertraulichkeit strukturell nicht.

Ein professioneller Executive Search-Prozess hingegen schützt die Identität des Kandidaten bis zu einem vereinbarten Zeitpunkt, führt erste Gespräche unter dem Deckmantel der Marktforschung und ermöglicht es starken Kandidaten, ernsthaftes Interesse zu zeigen, ohne ihre aktuelle Position zu gefährden. Das ist nicht nur ein Komfort, es ist eine Voraussetzung für den Zugang zu den besten Talenten.

Spezialisiertes Executive Search als strategische Alternative

Spezialisiertes Executive Search ist kein Premium-Recruiting. Es ist ein fundamental anderer Prozess, der auf einem anderen Marktverständnis basiert. Während klassisches Recruiting reaktiv arbeitet, also Bewerbungen sammelt und filtert, arbeitet Executive Search proaktiv: Es identifiziert, spricht an und überzeugt Kandidaten, die nicht aktiv suchen.

Für Scale-ups in der GreenTech-Branche bedeutet das konkret: Zugang zu einem Kandidatenpool, der durch Netzwerke nicht erreichbar ist. Tiefes Verständnis für die spezifischen Anforderungen von Wachstumsphasen. Und ein Prozess, der nicht nur auf Besetzung, sondern auf langfristige Passung ausgerichtet ist.

Der Unterschied zwischen Vermittlung und Partnerschaft

Ein spezialisierter Partner wie Just Better denkt nicht in Transaktionen, sondern in Entwicklungsbögen. Das zeigt sich in konkreten Ergebnissen: Dr. Heiko Dittmer von Spilling Solutions suchte einen Senior Business Development Manager und fand durch den Prozess einen Kandidaten, der heute als CEO des Unternehmens tätig ist. Das ist kein Zufall, das ist das Ergebnis eines Prozesses, der über die Stellenbeschreibung hinaus denkt und das Potenzial eines Kandidaten für die Zukunft des Unternehmens bewertet.

Das Executive Search-Angebot von Just Better ist auf genau diese Anforderungen ausgerichtet: ein personalisierter Full-Service-Ansatz, der Tech-Führungskräfte dabei unterstützt, ihre Teams zu skalieren, ohne dabei Qualität oder kulturelle Passung zu opfern. Der Fokus liegt nicht auf schnellen Besetzungen, sondern auf nachhaltigen Lösungen, die das Unternehmen langfristig stärken. Mehr über unseren Ansatz und unsere Werte erfahren Sie auf der Seite Über uns.

Wann der Wechsel vom Netzwerk zum Spezialisten sinnvoll ist

Die ehrliche Antwort: früher, als die meisten CEOs denken. Der richtige Zeitpunkt ist nicht, wenn das Netzwerk bereits versagt hat. Er ist, bevor der Schaden entsteht.

Es gibt konkrete Signale, die anzeigen, dass ein netzwerkbasierter Ansatz an seine Grenzen stößt. Wenn die Suche nach einer VP-Position länger als drei Monate dauert und kein überzeugender Kandidat in Sicht ist, ist das ein klares Zeichen. Wenn alle präsentierten Kandidaten aus demselben Umfeld stammen und ähnliche Profile zeigen, fehlt Marktbreite. Wenn ein Kandidat aus dem Netzwerk zwar gut klingt, aber die spezifischen Anforderungen der Position nicht vollständig erfüllt, ist die Versuchung der Vertrautheit gefährlich.

Die Entscheidungsmatrix für Scale-up-CEOs

Eine einfache Faustregel: Je größer der strategische Hebel einer Position, desto wichtiger ist ein spezialisierter Prozess. Ein VP, der einen Kernbereich des Unternehmens führt, der direkt mit der Skalierungsstrategie verknüpft ist oder der als Vorbereitung auf eine spätere C-Suite-Rolle gedacht ist, verdient einen Prozess, der den gesamten relevanten Markt abdeckt, nicht nur den sichtbaren Teil davon.

Für GreenTech-Unternehmen, die 2026 ihre nächste Wachstumsphase einleiten, ist die Frage nicht, ob ein spezialisierter Ansatz im Senior Recruiting Sinn ergibt, sondern wann der richtige Moment ist, ihn zu aktivieren. Die Antwort darauf hängt von einer einfachen Gegenfrage ab: Kann das Unternehmen es sich leisten, die beste Führungskraft für diese Position nicht zu finden? Sprechen Sie uns an – wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

Wer diese Frage mit Nein beantwortet, hat seinen Moment bereits gefunden.

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Über den Autor

Dirk Ohlmeier ist Gründer von JUST BETTER und begleitet seit über 15 Jahren Unternehmer, Investoren und internationale Unternehmen beim Aufbau von Führungsteams, die Wachstum, Markteintritt und Turnarounds tragen – statt nur zu verwalten.

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