Welche Verantwortung trägt ein Head of Engineering?

Ein Head of Engineering trägt eine umfassende Verantwortung, die weit über rein technische Aufgaben hinausgeht. Diese Führungsrolle kombiniert strategische Planung, Teamführung, technische Entscheidungsfindung und Stakeholder-Management. Der Head of Engineering verantwortet die Skalierung der Engineering-Organisation, stellt technische Exzellenz sicher und unterstützt gleichzeitig die Geschäftsziele des Unternehmens. Die Position erfordert die Balance zwischen operativer Exzellenz und strategischer Vision sowie den Aufbau einer Kultur, die qualifizierte Fachkräfte anzieht und langfristig bindet.

Aufgaben und Verantwortungsbereiche im Arbeitsalltag

Der Arbeitsalltag eines Head of Engineering umfasst strategische Planung, Teamführung und technische Entscheidungsfindung. Die Position erfordert Kommunikation mit Stakeholdern, Entwicklung technischer Roadmaps, Coaching des Teams und das Treffen wichtiger Architekturentscheidungen. Im Gegensatz zu individuellen Entwicklern oder Team Leads liegt der Fokus auf der organisationsweiten Perspektive.

Der Tagesbeginn umfasst häufig Stand-ups oder Synchronisationsmeetings mit Team Leads. Dabei werden der Fortschritt laufender Projekte geprüft, Hindernisse identifiziert und die Verfügbarkeit notwendiger Ressourcen sichergestellt. Ein erheblicher Anteil der Arbeitszeit entfällt auf Einzelgespräche mit direkten Führungskräften zur Besprechung von Karriereentwicklung, Feedback und strategischen Initiativen.

Strategische Meetings prägen häufig den Nachmittag. Die enge Zusammenarbeit mit dem CTO, dem Produktmanagement und anderen Führungskräften dient der Abstimmung technischer Strategie mit Unternehmenszielen. Zu den Aufgaben gehören die Bewertung neuer Technologien, Make-or-Buy-Entscheidungen und die Planung der Ressourcenallokation für kommende Quartale.

Technische Reviews bilden einen weiteren wichtigen Bestandteil. Die Überprüfung von Architekturvorschlägen, Diskussionen komplexer technischer Herausforderungen mit Senior Engineers und die Sicherstellung technischer Standards gewährleisten die Nähe zur technischen Arbeit, ohne täglich selbst zu programmieren.

Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Engineering-Rollen besteht im deutlich höheren Zeitaufwand für Personalführung gegenüber technischer Arbeit. Während ein Engineering Manager sich auf ein einzelnes Team konzentriert, orchestriert der Head of Engineering mehrere Teams und stellt deren effektive Zusammenarbeit sicher. Die Entscheidungen haben weitreichende Auswirkungen auf die gesamte technische Organisation.

Erforderliche technische Kompetenzen

Ein Head of Engineering benötigt ein solides technisches Fundament, das sich jedoch in der Tiefe von dem eines Staff Engineers unterscheidet. Die Fähigkeit, Architekturentscheidungen zu verstehen und zu bewerten, ist erforderlich, nicht jedoch die eigenständige Durchführung jedes Implementierungsdetails. Technische Glaubwürdigkeit ist wichtig für das Vertrauen des Teams und fundierte Entscheidungen.

Erforderlich ist ein breites technisches Verständnis über verschiedene Bereiche hinweg. Kenntnisse der Grundlagen von Software-Architektur, Datenbanken, Cloud-Infrastruktur und modernen Entwicklungspraktiken sind notwendig. Dies bedeutet nicht Expertise in allen Bereichen, sondern ausreichendes Verständnis für technische Diskussionen und Risikobewertung.

Programmierkenntnisse bleiben relevant, auch ohne tägliche Programmierarbeit. Die Fähigkeit zu Code-Reviews, das Verständnis von Architektur-Diagrammen und die klare Kommunikation technischer Konzepte ermöglichen die Beurteilung der Qualität technischer Entscheidungen des Teams.

Das Verständnis für Technologie-Trends gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die Bewertung neuer Technologien, die Einschätzung ihrer Relevanz für das Unternehmen und Entscheidungen über deren Einführung erfordern eine strategische technische Perspektive.

Die Balance zwischen technischen und Management-Fähigkeiten verschiebt sich mit zunehmender Seniorität. Als Head of Engineering entfallen etwa 30 bis 40 Prozent der Aufmerksamkeit auf technische Themen, während 60 bis 70 Prozent auf Führung, Strategie und Organisation verwendet werden. Ausreichende technische Kompetenz für Respekt ist erforderlich, der Hauptwert liegt jedoch in der Orchestrierung und Befähigung des Teams.

Abgrenzung zur Position des Chief Technology Officer

Der Head of Engineering fokussiert sich primär auf die Umsetzung und operative Exzellenz der Engineering-Organisation, während der CTO die technologische Vision und strategische Ausrichtung des gesamten Unternehmens verantwortet. Der Head of Engineering stellt sicher, dass die Engineering-Teams effizient arbeiten, liefern und skalieren. Der CTO definiert die technologische Ausrichtung.

In der Berichtsstruktur berichtet der Head of Engineering häufig an den CTO, besonders in größeren Organisationen. In kleineren Unternehmen kann die Berichtslinie direkt zum CEO führen, wenn keine CTO-Position existiert. Die Unternehmensgröße bestimmt oft, ob beide Rollen benötigt werden: Start-ups haben meist nur einen CTO, während wachsende Unternehmen ab etwa 30 bis 50 Engineers einen dedizierten Head of Engineering benötigen.

Die Verantwortungsbereiche unterscheiden sich deutlich. Der Head of Engineering verantwortet Einstellungen, Team-Performance, Prozessoptimierung und Lieferqualität. Der CTO konzentriert sich auf Technologie-Strategie, Innovation, technische Due Diligence bei Fusionen und Übernahmen sowie die Repräsentation der technischen Vision gegenüber Investoren und dem Aufsichtsrat.

Bei Existenz beider Positionen entsteht eine effektive Partnerschaft. Der CTO definiert das „Was” und „Warum” der technischen Strategie, während der Head of Engineering das „Wie” und „Wann” der Umsetzung verantwortet. Diese Aufgabenteilung ermöglicht dem CTO die Konzentration auf langfristige Innovation, während der Head of Engineering die operative Exzellenz sicherstellt.

In manchen Organisationen wird der Titel „VP of Engineering” anstelle von „Head of Engineering” verwendet, besonders in größeren Unternehmen. Die Rolle bleibt inhaltlich ähnlich, der VP-Titel signalisiert jedoch oft eine stärkere strategische Komponente und eine höhere Position in der Unternehmenshierarchie.

Erforderliche Führungskompetenzen

Erfolgreiche Engineering-Leadership basiert auf der Fähigkeit, durch andere zu wirken. Der Aufbau eines starken Teams, dessen Befähigung und Inspiration sowie die Schaffung einer Umgebung für Höchstleistungen sind erforderlich. Diese Kompetenzen sind mindestens ebenso wichtig wie technische Fähigkeiten und gewinnen mit zunehmender Seniorität an Bedeutung.

Teambuilding steht an erster Stelle. Die Identifikation benötigter Kompetenzen, die Einstellung geeigneter Personen und deren Zusammenstellung für effektive Zusammenarbeit sind erforderlich. Dies umfasst die Förderung von Diversität und die Kombination komplementärer Fähigkeiten.

Konfliktlösung gehört zum täglichen Aufgabenbereich. Technische Meinungsverschiedenheiten, Ressourcenkonflikte oder zwischenmenschliche Spannungen erfordern konstruktive Bearbeitung. Die Fähigkeit, verschiedene Perspektiven zu verstehen, gemeinsame Lösungen zu finden und dabei Beziehungen zu stärken, unterscheidet erfolgreiche Engineering Leaders.

Mentoring und Coaching sind zentrale Verantwortungen. Die Entwicklung umfasst nicht nur direkte Mitarbeiter, sondern beeinflusst die gesamte Engineering-Organisation. Dies erfordert die Schaffung von Wachstumschancen, konstruktives Feedback und Unterstützung bei der Erreichung von Karrierezielen.

Die Kommunikation mit nicht-technischen Stakeholdern erfordert besondere Kompetenz. Komplexe technische Konzepte müssen so übersetzt werden, dass Geschäftsführer, Produktmanager und andere Abteilungen diese verstehen und fundierte Entscheidungen treffen können. Diese Brückenfunktion zwischen Technik und Business ist eine zentrale Rolle.

Change Management wird relevant bei Änderungen von Prozessen, Tools oder Strukturen. Die Führung von Menschen durch Veränderungen, das Verstehen und Adressieren von Widerständen sowie die nachhaltige Implementierung von Transformationen sind erforderlich. Die Fähigkeit, Veränderungen zu orchestrieren, ohne das Team zu überfordern, kennzeichnet erfahrene Leaders.

Entscheidungsfindung unter Unsicherheit gehört zur täglichen Realität. Selten liegen alle gewünschten Informationen vor, dennoch sind Entscheidungen erforderlich. Die Fähigkeit, Risiken abzuwägen, mit Ambiguität umzugehen und entscheidungsfreudig zu bleiben bei gleichzeitiger Lernfähigkeit, definiert die Effektivität.

Aufbau eines leistungsstarken Engineering-Teams

Der Aufbau eines starken Engineering-Teams beginnt mit einer klaren Vision der zu erreichenden Ziele. Die Definition erforderlicher Kompetenzen, Erfahrungslevel und kultureller Eigenschaften zur Unterstützung der Unternehmensziele ist notwendig. Diese Klarheit ermöglicht gezielte Rekrutierung und die richtige Balance im Team.

Recruiting umfasst mehr als das Füllen offener Positionen. Der Aufbau einer Arbeitgebermarke zur Anziehung qualifizierter Fachkräfte erfordert klare Kommunikation über Arbeitsinhalte, technische Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten. Qualifizierte Kandidaten haben Optionen und benötigen überzeugende Gründe für ihre Entscheidung.

Das Onboarding neuer Mitarbeiter entscheidet oft über deren langfristigen Erfolg. Ein strukturierter Prozess unterstützt neue Engineers bei schneller Produktivität und gleichzeitigem Verständnis von Kultur, Prozessen und technischen Systemen. Die ersten 90 Tage sind kritisch für Integration und Engagement.

Talententwicklung erfordert kontinuierliche Investition. Die Definition von Karrierepfaden, Schaffung von Lernmöglichkeiten und angemessene Herausforderung sind erforderlich. Dies umfasst die Unterstützung unterschiedlicher Karrierewege im Management oder als Individual Contributor.

Die Teamstruktur und Rollenverteilung orientieren sich an den Zielen. Kleinere Teams von 5 bis 8 Personen sind oft effektiver als große Teams. Die Entscheidung für Feature-Teams, Komponenten-Teams oder Matrix-Strukturen hängt von Produkt und Organisation ab. Jede Struktur hat spezifische Vor- und Nachteile.

Die Skill-Balance im Team erfordert strategisches Denken. Eine Mischung aus Senior Engineers für Architekturentscheidungen, Mid-Level Engineers für die Hauptarbeit und Junior Engineers für neue Perspektiven ist erforderlich. Das richtige Verhältnis hängt von Phase und Zielen ab, eine ausgewogene Struktur ermöglicht sowohl Lieferung als auch Mentoring.

Eine positive Engineering-Kultur entsteht nicht zufällig. Die aktive Definition und das Vorleben von Werten wie technische Exzellenz, kontinuierliches Lernen, Zusammenarbeit und Innovation sind erforderlich. Die Kultur zeigt sich in täglichen Entscheidungen – im Umgang mit Fehlern, in der Anerkennung von Erfolgen und in der Kommunikation.

Strategische Verantwortung und Planung

Die strategische Verantwortung eines Head of Engineering umfasst die Entwicklung und Umsetzung einer technischen Vision zur Unterstützung des Unternehmenswachstums. Eine Technologie-Roadmap berücksichtigt sowohl kurzfristige Geschäftsziele als auch langfristige technische Nachhaltigkeit. Diese Roadmap dient der Priorisierung technischer Investitionen und der Kommunikation mit Stakeholdern.

Die Budgetplanung ist eine zentrale strategische Aufgabe. Die Planung und Rechtfertigung des Ressourcenbedarfs für Personal, Tools, Infrastruktur und externe Dienstleister sind erforderlich. Dies erfordert das Verständnis der Kosten verschiedener Optionen und deren Übersetzung in geschäftsrelevante Kennzahlen wie Return on Investment, Time-to-Market und Risikominimierung.

Ressourcenallokation bedeutet schwierige Entscheidungen. Aufgrund begrenzter Ressourcen ist Priorisierung erforderlich: Welche Projekte unterstützen die Geschäftsziele optimal? Wo sind Investitionen in technische Verbesserungen sinnvoll? Wie wird die Balance zwischen neuen Features und Wartung bestehender Systeme erreicht?

Make-or-Buy-Entscheidungen erfordern strategisches Denken. Die Entscheidung zwischen Eigenentwicklung und Kauf bestehender Tools hängt von mehreren Faktoren ab: Stellt die Funktionalität einen Wettbewerbsvorteil dar? Sind Ressourcen für Entwicklung und Wartung verfügbar? Wie dringlich ist die Lösung erforderlich? Diese Entscheidungen haben langfristige Auswirkungen auf technische Architektur und Kosten.

Das Alignment mit Geschäftszielen ist die wichtigste strategische Verantwortung. Das Verständnis der Unternehmensziele und die Sicherstellung, dass die technische Strategie diese unterstützt, erfordern regelmäßigen Austausch mit anderen Führungskräften, Verständnis von Markttrends und entsprechende Anpassung der Roadmap.

Die Verbindung zwischen technischer und Unternehmensstrategie wird durch klare Kommunikation geschaffen. Die Übersetzung von Geschäftszielen in technische Initiativen und die Erklärung, wie technische Investitionen Geschäftswert schaffen, machen den Head of Engineering zu einem strategischen Partner der Geschäftsführung.

Management paralleler Projekte

Das Management mehrerer Projekte gleichzeitig erfordert ein robustes System für Priorisierung und Transparenz. Die persönliche Steuerung aller Projekte ist nicht möglich, daher sind klare Frameworks, kompetente Team Leads und effektive Kommunikationsmechanismen erforderlich. Die richtige Balance zwischen Aufsicht und Autonomie ist entscheidend.

Die Projektpriorisierung beginnt mit klaren Kriterien. Die Bewertung von Projekten nach Geschäftswert, Dringlichkeit, Abhängigkeiten und Risiko ist erforderlich. Frameworks wie RICE (Reach, Impact, Confidence, Effort) oder gewichtete Scoring-Modelle unterstützen objektive Entscheidungen. Transparenz ist wichtig – alle Stakeholder sollten die Priorisierung verstehen.

Ressourcenmanagement über verschiedene Projekte hinweg stellt eine ständige Herausforderung dar. Das Verständnis der Teamkapazität, die Identifikation von Engpässen und die Zuteilung von Ressourcen zur Vermeidung von Blockaden kritischer Projekte sind erforderlich. Dies umfasst auch realistische Erwartungen – parallele Projekte verlängern die Gesamtdauer.

Der Umgang mit konkurrierenden Deadlines erfordert klare Kommunikation. Ablehnung oder Neuverhandlung von Deadlines ist manchmal notwendig. Wenn alles höchste Priorität hat, hat nichts Priorität. Die Aufgabe besteht darin, realistische Zusagen zu machen und die Konsequenzen von Überlastung klar zu kommunizieren – Qualitätsprobleme, Burnout und verzögerte Lieferungen.

Das Management von Stakeholder-Erwartungen ist ebenso wichtig wie das eigentliche Projektmanagement. Regelmäßige Kommunikation über Fortschritte, frühzeitige Ansprache von Risiken und Transparenz über Herausforderungen sind erforderlich. Überraschungen am Ende schaden dem Vertrauen – kontinuierliche, ehrliche Kommunikation baut Glaubwürdigkeit auf.

Methodologien wie Agile, Scrum oder Kanban bieten Strukturen für das Projektmanagement. Die Wahl hängt von Organisation und Projekten ab. Konsistenz ist wichtig – verschiedene Prozesse in verschiedenen Teams erschweren die Koordination. Standardisierte Praktiken erleichtern Zusammenarbeit und Ressourcenverteilung.

Tools für Koordination und Transparenz sind unverzichtbar. Projektmanagement-Software wie Jira, Asana oder Linear unterstützt den Überblick. Wichtiger als das spezifische Tool ist die konsequente Nutzung durch alle Teams und die Aktualität der Daten. Veraltete oder unvollständige Informationen sind problematischer als fehlende Tools.

Rolle in der Produktentwicklung

Der Head of Engineering ist ein zentraler Partner im Produktentwicklungsprozess, trifft jedoch nicht die Entscheidungen über das „Was” des Produkts. Die enge Zusammenarbeit mit Product Management stellt sicher, dass technische Realität und Produktvision aufeinander abgestimmt sind. Diese Partnerschaft funktioniert optimal bei gegenseitigem Verständnis und Respekt.

Die Bewertung technischer Machbarkeit ist eine Kernaufgabe. Bei neuen Feature-Vorschlägen des Produktteams ist die Einschätzung der Umsetzbarkeit erforderlich. Dies bedeutet nicht automatische Zustimmung, sondern ehrliche Kommunikation über Komplexität, Risiken und Alternativen. Die technische Expertise unterstützt das Produktteam bei informierten Entscheidungen.

Die Schätzung von Entwicklungszeiten ist anspruchsvoll, aber wichtig für die Planung. Realistische Einschätzungen berücksichtigen Implementierung, Testing, Dokumentation und unvorhergesehene Herausforderungen. Konservative Schätzungen mit früherer Lieferung sind besser als unrealistische Versprechen und Enttäuschungen.

Der Beitrag zur Produktstrategie liegt in der technischen Perspektive. Das Aufzeigen technischer Möglichkeiten für neue Produktchancen oder Warnungen bei einschränkenden technischen Schulden machen den Head of Engineering zu einem wertvollen Partner, nicht nur zu einem Umsetzer von Anforderungen.

Die Zusammenarbeit mit Design erfordert frühzeitiges Engagement. Je früher die Einbindung in den Designprozess erfolgt, desto besser können technische Einschränkungen kommuniziert oder innovative Lösungen vorgeschlagen werden. Diese frühe Zusammenarbeit verhindert die Entwicklung von Designs, die technisch nicht umsetzbar oder unverhältnismäßig kostenintensiv sind.

Die Koordination mit anderen Abteilungen wie Marketing, Sales und Customer Success ist ebenfalls wichtig. Das Verständnis, wie technische Entscheidungen diese Teams beeinflussen, und die rechtzeitige Information über Änderungen sind erforderlich. Cross-funktionale Zusammenarbeit ist der Schlüssel zu erfolgreichen Produktlaunches.

Die Produktverantwortung verbleibt beim Produktteam. Das Produktteam entscheidet über Entwicklungsinhalte und -gründe. Die Verantwortung des Head of Engineering liegt in der qualitativ hochwertigen Umsetzung in angemessener Zeit. Diese klare Rollenverteilung verhindert Konflikte und ermöglicht effektive Zusammenarbeit.

Sicherstellung von Code-Qualität und technischen Standards

Code-Qualität und technische Standards werden durch eine Kombination aus klaren Richtlinien, automatisierten Prozessen und Kulturentwicklung sichergestellt. Die persönliche Überprüfung jedes Codes ist nicht möglich, daher sind Systeme erforderlich, die Qualität skalierbar machen. Der Fokus liegt darauf, korrektes Vorgehen zu erleichtern.

Die Etablierung von Coding-Standards beginnt mit der Dokumentation. Die gemeinsame Definition mit Senior Engineers umfasst Code-Struktur, Namenskonventionen, Architekturmuster und Best Practices. Diese Standards sollten ausreichend Struktur bieten für konsistenten und wartbaren Code, ohne übermäßig rigide zu sein. Die Mitgestaltung durch das Team fördert das Verständnis.

Code-Reviews sind das wichtigste Werkzeug für Qualitätssicherung. Ein Prozess, bei dem jeder Code vor dem Merge von mindestens einer weiteren Person geprüft wird, verbessert nicht nur die Code-Qualität, sondern fördert auch Wissensaustausch und Teamlernen. Die Kultur der Code-Reviews sollte konstruktiv und lehrreich sein.

Testing-Strategien müssen auf mehreren Ebenen greifen. Unit-Tests für individuelle Komponenten, Integration-Tests für Systemzusammenspiel und End-to-End-Tests für kritische User-Flows sind erforderlich. Die richtige Balance hängt vom Produkt ab, automatisierte Tests sind jedoch unverzichtbar für nachhaltiges Wachstum und geben dem Team Vertrauen für schnelle Änderungen.

Dokumentation wird oft vernachlässigt, ist aber wichtig für langfristige Wartbarkeit. Eine Kultur, in der Dokumentation als Teil der Arbeit gesehen wird, erfordert klare Erwartungen – wann und was dokumentiert werden sollte – und Erleichterung durch Templates und Tools.

Die Balance zwischen Geschwindigkeit und Qualität ist die tägliche Realität. Manchmal sind bewusste Qualitätsabstriche für wichtige Deadlines erforderlich. Transparente Entscheidungen und spätere Einplanung von Zeit für technische Verbesserungen sind der Schlüssel. Kontinuierlich niedrige Qualität führt zu Technical Debt, die langfristig verlangsamt.

Technical Debt Management erfordert kontinuierliche Aufmerksamkeit. Die Sichtbarmachung von Technical Debt, Bewertung ihres Impacts und regelmäßige Einplanung von Zeit für Verbesserungen sind erforderlich. Eine bewährte Regel ist die Reservierung von etwa 20 Prozent der Entwicklungszeit für technische Verbesserungen. Dies verhindert unkontrollierte Technical Debt, die die Innovationsfähigkeit beeinträchtigt.

Budgetverantwortung und Finanzplanung

Budgetverantwortung bedeutet die Planung, Rechtfertigung und Verwaltung der finanziellen Ressourcen der Engineering-Organisation. Die Verantwortung umfasst einen erheblichen Teil der Unternehmensausgaben – typischerweise Personal, Tools, Infrastruktur und externe Dienstleister. Diese finanzielle Verantwortung erfordert Denken und Kommunikation in der Sprache des Business.

Die Budgetplanung für Personal stellt meist den größten Kostenblock dar. Die Planung umfasst Anzahl benötigter Mitarbeiter, deren Qualifikationsniveau und Einstellungszeitpunkte. Gehälter, Boni, Sozialleistungen und Recruiting-Kosten sind zu berücksichtigen. Realistische Personalplanung berücksichtigt auch Fluktuation und die Zeit bis zur Produktivität neuer Mitarbeiter.

Tools und Software-Lizenzen summieren sich erheblich. Die Entscheidung über benötigte Entwicklungstools, Projektmanagement-Software, Monitoring-Systeme und andere Services erfordert Rechtfertigung jeder Ausgabe – bringt sie ausreichend Wert? Sind Kosteneinsparungen durch Konsolidierung oder Neuverhandlung möglich?

Infrastrukturkosten, besonders Cloud-Ausgaben, können ohne Kontrolle eskalieren. Die Überwachung der Kosten, Identifikation von Optimierungsmöglichkeiten und Sicherstellung der richtigen Balance zwischen Performance und Kosten sind erforderlich. Reserved Instances, Auto-Scaling und regelmäßige Audits unterstützen die Kostenkontrolle.

Externe Dienstleister wie Berater, Freelancer oder Outsourcing-Partner sind manchmal erforderlich zur Schließung von Kapazitätslücken oder für spezialisiertes Know-how. Die Entscheidung über sinnvolle externe Hilfe und deren effektives Management hat auch langfristige Auswirkungen – Aufbau internen Know-hows oder Abhängigkeit von externen Partnern.

Die ROI-Bewertung technischer Investitionen ist oft herausfordernd. Die Rechtfertigung der Anschaffung eines neuen Monitoring-Tools oder der Investition in technische Verbesserungen erfordert die Übersetzung technischer Investitionen in Business-Metriken: Zeitersparnis, Risikoreduktion, schnellere Produktentwicklung. Diese Übersetzung ist wichtig für Budget-Genehmigungen.

Die Kommunikation von Budget-Bedürfnissen an die Geschäftsführung erfordert Vorbereitung und Klarheit. Anfragen müssen mit Daten untermauert, Alternativen aufgezeigt und Business-Auswirkungen klar gemacht werden. Es geht nicht um höhere Budgetforderungen, sondern um die Darstellung, wie das Budget Unternehmensziele unterstützt. Transparenz über Ausgaben und proaktive Kommunikation bei Abweichungen bauen Vertrauen auf.

Umgang mit Technical Debt und Legacy-Systemen

Der Umgang mit Technical Debt und Legacy-Systemen stellt eine der größten Herausforderungen dar. Eine vollständige Neuentwicklung ist nicht sofort möglich, die Einschränkung der Innovationsfähigkeit durch alte Systeme kann jedoch nicht ignoriert werden. Die richtige Balance und strategisches Vorgehen sind entscheidend.

Die Sichtbarmachung von Technical Debt ist der erste Schritt. Ein System zur Dokumentation, Kategorisierung und Bewertung des Impacts von Technical Debt ist erforderlich. Nicht alle Technical Debt ist gleich wichtig – manche bremst täglich, andere ist nur theoretisch problematisch. Diese Transparenz unterstützt rationale Priorisierungsentscheidungen.

Die Modernisierung von Legacy-Code sollte schrittweise erfolgen. Große Rewrites sind riskant und oft zum Scheitern verurteilt. Inkrementelle Verbesserung – schrittweises Refactoring bei gleichzeitiger Lieferung neuer Features – ist besser. Das Strangler-Pattern, bei dem neue Funktionalität neben der alten aufgebaut und schrittweise umgestellt wird, ist oft pragmatisch.

Die Balance zwischen neuen Features und technischer Verbesserung erfordert ständige Verhandlung. Das Business fordert mehr Features, ohne Investition in technische Verbesserungen verlangsamt sich jedoch die Entwicklung zunehmend. Eine Strategie ist die Reservierung eines festen Prozentsatzes der Zeit für technische Arbeit – etwa 20 bis 30 Prozent – als nicht verhandelbarer Anteil.

Die Priorisierung von Refactoring-Arbeit orientiert sich am Business-Impact. Welche technischen Verbesserungen ermöglichen schnellere Feature-Entwicklung? Welche reduzieren kritische Risiken? Welche verbessern die Performance für Kunden? Diese Verbindung zum Business-Wert erleichtert die Rechtfertigung von Ressourcen für technische Arbeit.

Die Kommunikation des Wertes technischer Investitionen an nicht-technische Stakeholder erfordert Übersetzungsarbeit. Die Aussage „Wir müssen refactoren” ist unzureichend – die Bedeutung für das Business muss erklärt werden. Schnellere Feature-Entwicklung? Weniger Bugs? Bessere Performance? Reduzierte Risiken? Diese Business-Sprache hilft Stakeholdern beim Verständnis des Wertes.

Manchmal ist die Akzeptanz bestehender Legacy-Systeme erforderlich. Wenn ein System funktioniert, selten geändert wird und ein Rewrite zu kostenintensiv wäre, kann die richtige Entscheidung sein, es beizubehalten. Die Isolierung hinter klaren Schnittstellen und Konzentration der Modernisierungsanstrengungen auf Bereiche mit höherem Impact ist dann sinnvoll.

Verantwortung für die Unternehmenskultur

Als Head of Engineering sind Sie ein zentraler Gestalter der Unternehmenskultur, besonders in Tech-Unternehmen mit großen Engineering-Abteilungen. Die im Team etablierte Kultur strahlt auf das gesamte Unternehmen aus. Sie setzen Standards für Zusammenarbeit, Umgang mit Fehlern und gelebte Werte.

Die Definition von Werten beginnt mit der Klarstellung, wofür das Team steht. Technische Exzellenz, kontinuierliches Lernen, Zusammenarbeit, Innovation, Kundenorientierung – welche Werte sind wichtig? Diese Werte müssen mehr sein als Worte, sie müssen sich in täglichen Entscheidungen und Verhaltensweisen zeigen. Das Vorleben macht sie real.

Eine Feedback-Kultur zu etablieren ist wichtig für Wachstum und Verbesserung. Eine Umgebung, in der Menschen ehrliches Feedback geben und empfangen können, erfordert regelmäßige Feedback-Mechanismen – Einzelgespräche, 360-Grad-Reviews, Retrospektiven – und die Demonstration, dass Feedback zu Verbesserungen führt.

Psychologische Sicherheit ist die Grundlage für Innovation und Risikobereitschaft. Das Team muss sich sicher fühlen, Fragen zu stellen, Fehler zuzugeben und neue Ideen vorzuschlagen, ohne negative Konsequenzen zu befürchten. Diese Sicherheit entsteht durch eigene Verwundbarkeit, Behandlung von Fehlern als Lernchancen und Anerkennung von Mut und Transparenz.

Diversity und Inklusion sind nicht nur ethisch geboten, sondern führen auch zu besseren Ergebnissen. Diverse Teams treffen bessere Entscheidungen und entwickeln Produkte, die eine breitere Nutzerbasis ansprechen. Die Verantwortung umfasst aktive Rekrutierung diverser Kandidaten, Förderung inklusiver Praktiken und Sicherstellung, dass alle Stimmen gehört werden.

Work-Life-Balance beeinflusst langfristige Produktivität und Mitarbeiterbindung. Eine Kultur nachhaltiger Arbeit ohne Burnout erfordert realistische Deadlines, keine Glorifizierung von Überstunden und Unterstützung flexibler Arbeitsmodelle. Gesunde, ausgeglichene Mitarbeiter sind langfristig produktiver und kreativer.

Die Kultur beeinflusst direkt Produktivität und Mitarbeiterbindung. Eine positive, unterstützende Kultur zieht qualifizierte Fachkräfte an und bindet sie. Menschen verlassen oft nicht Jobs, sondern negative Kulturen. Die Investition in Kultur zahlt sich durch niedrigere Fluktuation, höheres Engagement und bessere Ergebnisse aus. Kultur ist ein strategischer Wettbewerbsvorteil.

Zusammenfassung

Die Verantwortung eines Head of Engineering ist umfassend und anspruchsvoll. Die Position erfordert die Balance zwischen technischer Expertise und Führungskompetenz, strategischem Denken und operativer Exzellenz sowie Business-Verständnis und Engineering-Kultur. Diese Rolle erfordert kontinuierliches Lernen, Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit, durch andere zu wirken. Der Aufbau eines starken Engineering-Teams, das nachhaltig liefert und wächst, erfordert die richtige Führungskraft mit den entsprechenden technischen Anforderungen und Leadership-Qualitäten zur Weiterentwicklung des Unternehmens.

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Über den Autor

Dirk Ohlmeier ist Gründer von JUST BETTER und begleitet seit über 15 Jahren Unternehmer, Investoren und internationale Unternehmen beim Aufbau von Führungsteams, die Wachstum, Markteintritt und Turnarounds tragen – statt nur zu verwalten.

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